Von Fondsrücknahme überforderte Bank?

Kategorie Börse / Depot | Quelle Jahresbericht 2004, Seite 20

Mit Brief vom 29. November 2004 beauftragte die Kundin ihre Bank, ihre zehn Anlagefondsanteile zu verkaufen. Sie verlangte den Verkauf Ende Dezember, aber so rechtzeitig, dass ihr der Erlös noch im Jahre 2004 gutgeschrieben werde. Die Bank bestätigte am 8. Dezember, den Auftrag erfasst zu haben, und verlangte noch eine Kopie der Identitätskarte der Kundin. Anlässlich eines Telefonats am 10. Dezember erfuhr die Kundin, dass ihre Fondsanteile bereits verkauft waren. Noch gleichentags reklamierte sie schriftlich und kündigte an, sie behalte sich weitere Schritte vor, sollte ihr aus dem vorzeitigen Verkauf ein finanzieller Nachteil erwachsen. Die Bank ihrerseits machte geltend, die Belastung am Jahresende sei jeweils sehr gross und man habe deshalb den Auftrag frühzeitig ausgeführt. Damit sei auch sicher- gestellt, dass der Verkauf, wie von der Kundin gewünscht, noch im laufenden Jahr erfolge. Da die Titel Ende Jahr tatsächlich CHF 11.– höher notierten als beim Verkauf, bat die Kundin den Ombudsman um Hilfe.

Dieser hatte Mühe, die Argumentation der Bank zu akzeptieren, und bat sie um eine Stellungnahme. In ihrer Antwort bestätigte sie ihre Argumente, wie sie sie bereits gegenüber der Kundin vertreten hatte, zeigte sich aber bereit, die Kursdifferenz von CHF 11.– pro Titel, total CHF 110.–, zu erstatten. Sie be- tonte aber, sie werde sich auch inskünftig das Recht vorbehalten, solche Rücknahmeaufträge wiederum nach gleichem Muster abzuwickeln, da das grosse Volumen am Jahresende dazu führen könne, dass die Rücknahme von Anteilen erst zu Beginn des Folgejahres erfolge.

Der Ombudsman nahm von der angebotenen Entschädigung mit Genugtuung Kenntnis. Den Vorbehalt der Bank konnte er aber nicht kommentarlos stehen lassen. Damit der Erlös vor Ende Jahr dem Kundenkonto gutgeschrieben werden konnte, war es nicht nötig, den Auftrag bereits mehr als zwanzig Tage vorher auszuführen. Er gab der Bank zu bedenken, dass sie mit ihrem Vorgehen den betroffenen Kunden praktisch eine Gratis-Option einräume, ist doch erfahrungsgemäss davon auszugehen, dass ein Kunde ein falsches Ausführungsdatum nur dann reklamiert, wenn sich der Kurs für ihn ungünstig entwickelt.

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