Vermögensverwaltung: Risikoprofil; zu rosige Schilderung der Risikowilligkeit

Kategorie Vermögensverwaltung | Quelle Jahresbericht 2009/14

Der Kunde liess sich sein gesamtes Pensionskassengeld auszahlen und brachte es zur Bank. Diese hat seine Bedürfnisse seriös abgeklärt und mit dem Kunden die Frage thematisiert, weshalb er nicht die Rentenlösung gewählt habe. Er erklärte, er erwarte über die Jahre hinweg eine etwas bessere Rendite. Die Bank schlug ihm vor, kurz- und mittelfristig Anlagen so zu wählen, dass ihm diese ein gesichertes Einkommen garantierten. Beim langfristigen Teil mischte sie Aktien und alternative Anlagen in bescheidenem Umfang bei. Dies mit der Idee, dass die im Durchschnitt auf diesen Anlagen erzielte höhere Rendite dem Kunden eine Aufbesserung der sicheren Erträge ermöglichen sollte. Es kam anders: Im Verlauf der Krise litten gewisse Anlagen. Als der Buchverlust wenig mehr als 1% betrug, wurde der Kunde nervös und bestürmte die Bank. Diese riet zum Ausharren. Es kam noch schlimmer. Bei minus 3% hat der Kunde alles verkauft.

In ihrer Stellungnahme konnte die Bank aufzeigen, dass sie ein umfassendes Risikoprofil erstellt hatte. Daraus ergab sich, dass der Kunde sich das Pensionskassengeld auszahlen liess, weil er davon ausging, mit einer Banklösung eine bessere Rendite erzielen zu können. Die Bank hat ihn darauf aufmerksam gemacht, dass eine bessere Rendite auch ein höheres Risiko beinhalte. Der Kunde hat bestätigt, dass er bereit sei, ein leicht höheres Risiko einzugehen. Er sei sich auch bewusst, dass dies sogar dazu führen könne, dass sein Vermögen kurzfristig abnehme. Weil aber die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen würden, dass mit einer Beimischung von risikoreicheren Anlagen auf längere Dauer ein besseres Ergebnis erzielt werden könne, sei er bereit, dieses Risiko einzugehen. Gestützt auf diese Abklärungen hat die Bank dem Kunden einen sehr ausgewogenen Vorschlag mit nur sehr wenigen risikoreicheren Papieren empfohlen. Nach Meinung des Ombudsman waren weder die Abklärungen der Bank noch deren Vorschlag zu beanstanden. Weil somit keine Fehlberatung vorlag, konnte der Ombudsman dem Kunden auch nicht zum Ausgleich des Verlusts verhelfen.

Dieses Beispiel zeigt sehr eindrücklich, dass der Kunde seine Risikowilligkeit in dem Sinne falsch einschätzte, als er erklärte, ein gewisses Risiko eingehen zu wollen, da damit auch erhöhte Gewinnchancen verbunden sein könnten. Für den Bankberater bedeutet diese Selbsteinschätzung eines verantwortlich handelnden Bankkunden, dass er die entsprechenden Anlagemöglichkeiten vorschlagen kann. Wenn sich dann aber, wie im vorliegenden Fall, dieses Risiko nur schon in Ansätzen verwirklicht, verlieren manche Kunden die Nerven und behaupten, der Berater habe sie nicht richtig über die Risiken aufgeklärt.

Der Ombudsman ist sich bewusst, dass es immer derartige Fälle geben wird. Er kann nur versuchen, Kunden und Bankberater zu sensibilisieren. Vor allem, wenn Gelder der Altersvorsorge involviert sind, ist der Aspekt der Sicherheit noch stärker in die Überlegungen einzubeziehen. Rückblickend muss festgehalten werden, dass dieser Kunde wohl besser von der Auszahlung seines Pensionskassengeldes abgesehen hätte. Er hätte sich mit der Rentenlösung viele schlaflose Nächte ersparen können.

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