Hoch spekuliert – und alles verloren

Kategorie Börse / Depot | Quelle Jahresbericht 2004, Seite 19

Als der Kunde Mitte 2004 sein Dossier zur Beurteilung einreichte, stellte der Bankenombudsman anhand der seinerzeitigen Aktennotiz fest, dass bereits zwei Jahre früher ein telefonischer Kontakt erfolgt war. Der Kunde, früher freiberuflich tätig und nunmehr im Ruhestand, hatte gemäss seiner ersten, mündlichen Schilderung während Jahren sein Einkommen mit Aktienspekulationen ergänzt, wobei er auch Put-Optionen verkaufte. Offensichtlich war er sich der dabei eingegangenen Risiken bewusst, war er doch nicht nur von seiner Beraterin immer wieder gewarnt worden, sondern hatte auch Rückschläge erleiden müssen. Bei tendenziell steigenden Kursen ging seine Strategie lange gut. Da er aber nicht nur  mit eigenen Mitteln, sondern zusätzlich mit einem Lombardkredit spekulierte, konnte er in der Folge der Börseneinbrüche nach dem 11. September 2001 eine Liquidation seines Portefeuilles nur durch Aufstockung der Hypothek auf seinem Eigenheim abwenden. Trotz dieser schlechten Erfahrungen verfolgte er seine riskanten Strategien weiter und es kam, wie es kommen musste: Einem zusätzlichen Margin-Call (Aufforderung zur Nachdeckung) der Bank konnte der Kunde nicht nachkommen und sein Portefeuille wurde weitestgehend liquidiert.

Das unterbreitete Dossier zeigte, dass sich der Kunde im Anschluss an das Gespräch vom Jahre 2002 mit dem Bankenombudsman, in dem ihm keine Hoffnung auf eine Beteiligung der Bank am Schaden gemacht werden konnte, mit dieser ausführlich auseinandergesetzt hatte. Er konnte nicht verstehen, dass die Bank nicht weiter zugewartet und seine Papiere zum aus seiner Sicht schlechtestmöglichen Zeitpunkt verkauft hatte. Der Ombudsman konnte sich dieser Kritik nicht anschliessen. Die Bank hatte lediglich von ihrem vertraglich vereinbarten Recht Gebrauch gemacht und damit mit nicht auszuschliessenden weiteren Kursrückgängen verbundene Verluste des Kunden verhindert. Nachdem schon im September 2001 die Liquidation seines Portefeuilles nur zu vermeiden war, weil er durch Erhöhung der Hypothek auf seinem Eigenheim zusätzliche Deckung beschaffte, musste der Ombudsman den Kunden vielmehr darauf hinweisen, dass er durch das brutale Ende seiner Spekulationen möglicherweise vor weiteren, seine Existenz noch mehr bedrohenden Verlusten bewahrt wurde.

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